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KI - Helfer oder Störer?

Unterrichtskonkretionen (klein)

Unterrichtskonkretionen (groß)

1. Mit Ausgaben von Sprachmodellen kritisch umgehen

Grundidee

Sprachmodelle liefern bei abstrakten Begriffen oder Aufgaben, die ein Lesen „zwischen den Zeilen“ erfordern nur abhängig von wirklich gutem Trainingsmaterial sinnvolle Ausgaben. Meist werden bei solchen Aufgabenstellungen Textbausteine aus dem ursprünglichen Trainingmaterial ausgegeben. Die Grundidee für den Unterricht besteht darin, Texte von Sprachmodellen mit den von Noviz:innen (Schüler:innen) und geübten Schreiber:innen (z.B. Lehrkraft) zu vergleichen und darüber ins Gespräch zu kommen. Hier eine unvollständige Sammlung von Themen und Begriffen, die sich dafür eignen könnten.

  • Inhaltsüberschauender Satz von Inhaltangaben
  • Interpretationshypothesen
  • Antworten zu pikanten ethischen Fragen, z.B. „Soll der Bezug von Sozialleistungen von Migranten an Sprachkenntnisse gebunden werden?“
  • Erklärung von interpretationsbedürftigen Begriffen, z.B. aus der Naturwissenschaft (Enthalpie, Entropie …)
  • Reden für unterschiedliche Kontexte

Die Texte müssen lediglich von drei unterschiedlichen Instanzen erstellt worden sein (Sprachmodell, Schüler:in, Lehrkraft). Hier finden Sie einmal ein Beispiel aus dem Bereich „inhaltsüberschauender Satz“.

Primärtext

Die Kurzgeschichte „Das Fenstertheater“ von Ilse Aichinger aus dem Jahr 1949 kann aus lizenzrechtlichen Gründen an dieser Stelle nicht bereitgestellt werden, ist aber über Schulbücher oder eine Internetrecherche leicht zugänglich.

Satz 1 - Produkt eines Schülers (Seiten wie https://www.hausaufgaben.de o.ä.)

Die Kurzgeschichte „ Das Fenstertheater“, die von Ilse Aichinger geschrieben und vom Fischer-Verlag 1963 veröffentlicht wurde, geht es um eine Alltagssituation in einer Stadt mit einer Frau, die verschiedene Wahrnehmungen zu einem älteren Mann hat und zum Schluss die Polizei alarmiert. (Quelle)

Satz 2 - mit einem LLM generiert

Vorinformationen
Verwendet wurde ein lokal betriebenes Sprachmodell (Deepseek-r1:70b) und ChatGPT in 01/2026 mit folgendem Prompt:

„Fasse das Thema der folgenden Kurzgeschichte in maximal zwei Sätzen zusammen. In den Sätzen sollten folgende Informationen enthalten sein: Die Autorin Ilse Aichinger, das Erscheinungsjahr 1949, der Titel und die Textgattung.“

Im Prompt war zusätzlich am Schluss der Originaltext vorhanden.

Ergebnis Deepseek:
Ilse Aichingers „Das Fenstertheater“ (1949) ist eine surreale und spannende Kurzgeschichte, die von einer Frau handelt, die vom Fenster aus einen alten Mann beobachtet, der seltsame Handlungen vollführt. Die Geschichte thematisiert Beobachtung, Illusion und die Grenzen zwischen Realität und Vorstellung.

Ergebnis ChatGPT:
Ilse Aichingers 1949 erschienene Kurzgeschichte „Das Fenstertheater“ zeigt, wie eine Frau vom Fenster aus das exzentrische Verhalten eines alten Mannes beobachtet, dessen Spiel mit den Zeichen und Gesten von ihr missverstanden wird. Die Erzählung thematisiert die menschliche Sehnsucht nach Kontakt und die tragikomische Verwechslung von Wirklichkeit und Vorstellung.

Ergebnis Gemini (Google) - nur Suchanfrage „Inhaltsangabe Ilse Aichinger, Fenstertheater“:
Das Fenstertheater“ von Ilse Aichinger handelt von einer einsamen Frau, die einen alten Mann gegenüber beobachtet, der scheinbar verrückte Spiele veranstaltet; sie interpretiert dies als Kontaktversuch, ruft schließlich die Polizei, muss aber feststellen, dass der Mann nur mit einem kleinen Jungen (dessen Wohnung sie übersehen hatte) in einer anderen Etage ein harmloses Spiel spielt, was ihre Isolation und Fehleinschätzung offenbart.

Satz 3 - Produkt einer Lehrkraft

Die Kurzgeschichte von Ilse Aichingers „Das Fenstertheater“ aus dem Jahr 1949 thematisiert die Anonymität und Isolation von Menschen in einer Großstadt. Eine Frau bezieht kindliche Gesten eines Nachbarn im Haus gegenüber irrtümlich auf sich statt eines kleinen Jungen als eigentlichem Adressaten und löst in der Folge einen nicht erforderlichen Polizeieinsatz aus.

Ideen für die Umsetzung im Unterricht

  • Varianten in Kleingruppen geben, sich begründet für ein Ergebis entscheiden müssen
  • Varianten ohne Angabe der Herkunft in Kleingruppen geben, Kleingruppen müssen raten, welche Variante woher stammt und das begründen
  • Qualitätsgrad der Ausgabe unterschiedlicher Sprachmodelle bewerten / einordnen
  • Kritik zu einer vorhandenen Schüler:innenvariante Variante formulieren (z.B. aus Hausaufgabe/Still-/Gruppenarbeit). Diese Kritik in einem Prompt mit unterschiedlichen, öffentlich zugänglichen Sprachmodellen zur Korrektur einsetzen. Gleichzeitig auf Basis der Kritik die Variante durch eine Schüler:innengruppe überarbeiten lassen. Die Ergebnisse und die Prozesse vergleichen, die dorthin geführt haben.

Was fehlt

Die hier skizzierte Umsetzung eignet sich eher für leistungsstarke Lerngruppen, sowohl von der Auswahl der Textfragmente als auch der methodischen Umsetzung. Es fehlen bisher eine sinnvolle Umsetzungsmöglichkeit für ein breiteres Kompetenzspektrum sowie Möglichkeiten zur Differenzierung.